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Nur ein Abstecher von Conil
 
Blick vom Torre Tavira auf Cadiz
Öffentlicher Garten an der Stadtmauer.
Einkaufsstraße in Cadiz
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Cadiz (157.000 Einwohner)

Cadiz - ein fast magischer Klang nach Seeschlachten und goldgeschwerten Galeonen. Ganz so romantisch zeigt sich die Stadt der Gegenwart nicht mehr, doch hat sich Cadiz eine sehr eigene, manchmal nahezu mystisch anmutende Stimmung bewahrt.

Die Provinzhauptstadt selbst ist mit ihren knapp 160.000 Einwohnern eher klein zu nennen, doch umgibt sie ein Ballungsraum weiterer Städte und Industriegebiete, in dem insgesamt etwa 400.000 Menschen leben. Wer Cadiz anfährt, muss vorbei an gigantischen, gleichwohl im Niedergang befindlichen Werften, an Konservenfabriken und Raffinerieschlöten, schließlich über rnehrere schnurgerade Kilometer durch die Wohnblocks der Neustadt, die sich auf einer schmalen Halbinsel erstreckt. Erst ganz am Ende dieser Landzunge liegen die auf drei Seiten vom Atlantik umgebenen Ursprünge von Cadiz, der ältesten Stadt Westeuropas - besiedelt seit 3000 Jahren.

Die Jahrtausende sieht man der Altstadt nicht an, zu oft und zu gründlich wurde sie zerstört. Doch obwohl nennenswerte Baudenkmäler fehlen, ist La Tacita de Plata, das "Silbertäßchen", dank seiner ganz eigenen Atmosphäre einen Aufenthalt allemal wert. Wenige Städte sind so dem Meer verhaftet wie das `glänzende Cadiz" (Lord Byron), das sich wehmütig und stolz der Kolonialzeit zu erinnern scheint. Auf den weiten Plätzen, in den üppig grünen Parks, aber auch in den Gassen der Altstadt bleibt das besondere, flirrende Licht des offenen Ozeans überall gegenwärtig, hinterlässt Salzluft ihre Spuren an den abblätternden Fassaden. Kaum etwas gemein mit dem üblichen Andalusienbild haben die zum Schutz vor den Winterstürmen verglasten Balkone, die eher an das Baskenland oder Galicien erinnern. Ebenso ungewöhnlich ist die hohe Zahl der insgesamt mehr als 120 Aussichtstürme, der im 18. Jh. von reichen Privatleuten errichteten "Miradores", die sich über den Flachdächern der weißen Altstadt erheben und Cadiz einen wehrhaften Anstrich geben. Nicht zuletzt trägt auch der Hafen, an sich nicht sehenswert, aber einer der bedeutendsten Spaniens, seinen Teil zur besonderen Atmosphäre bei: Cadiz wirkt weltoffen, in manchen Gegenden vielleicht etwas zwielichtig, aber immer von seltsam fremd erscheinendem Reiz.

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Geschichte

Glaubt man der Mythologie, so war es Herkules selbst, der Gadir ("Befestigter Ort") gründete. Nüchterner sehen es die Historiker, die die erste Besiedlung den Phöniziern zuschreiben. Damals, vielleicht schon gegen 1100 v. Chr., lag die Stadt noch auf einer Insel. Schon wenige Jahrhunderte später muss Cadiz für damalige Verhältnisse dicht besiedelt gewesen sein: Erst kürzlich entdeckten Archäologen auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne mitten im Stadtzentrum eine Nekropole des 6. Jh. v.Chr., in der etwa 10.000 Tote bestattet worden waren. Im Zweiten Punischen Krieg taten die Römer sich arg schwer gegen die Karthager, die sich auf der gut zu verteidigenden "schwimmenden Festung" verschanzt hatten. Doch als sie schließlich erobert war, wurde Gades zur ersten spanischen Stadt, die Sprache und Recht Roms adaptierte.

711 nahmen die Mauren Cadiz ein, ohne sich in der Folge sonderlich für die Stadt zu interessieren. 1263 gelang die christliche Rückeroberung. Die Entdeckung Amerikas brachte einen gewaltigen Aufschwung. Hier wie auch in Sevilla landeten die heimkehrenden, mit Gold und Silber bis an den Rand beladenen Galeonen. Cadiz entwickelte sich zum Haupthandelshafen für die überseeischen Kolonien. Doch kaum ein Jahrhundert später, die Seemacht Spanien war im Kampf gegen England geschwächt, brachen stürmische Zeiten an. Immer wieder wurden Hafen und Stadt angegriffen, historische Gebäude und ganze Flottenverbände zerstört: 1587 durch Englands "Hofpiraten" Sir Francis Drake und 1596 durch Graf Essex. Dennoch blühte Cadiz weiterhin, erhielt 1717 sogar anstelle von Sevilla das Monopol des Amerikahandels. Die Erträge des Seehandels und die Reichtümer, die die Heimkehrer aus den Kolonien nach Cadiz brachten, wurden in repräsentative Bauten investiert. Auf jene Zeit gehen weite Teile des heutigen Stadtbilds zurück. 1805 richtete Lord Nelson seine Kanonen auf Cadiz. Im Unabhängigkeitskrieg gegen Napoleon belagerten die Franzosen 1808-1813 die Stadt und schossen sie in Brand, ohne sie jedoch einnehmen zu können. Während ihnen sozusagen die Kugeln um die Ohren flogen, verabschiedeten die Mitglieder der Ständeversammlung Cortes die Constitucion de 1812: Die erste Verfassung Spaniens, inspiriert durch die "afrancesados", vom Gedankengut der Französischen Revolution beeinflusste liberale Intellektuelle, war für die damalige Zeit geradezu umstürzlerisch und wurde eben deshalb von Ferdinand VII. schon zwei Jahre später wieder aufgehoben.

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